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Veronika reicht
Jesus ein Tuch

Jesus schleppt sich weiter auf dem Weg entlang, das schwere Kreuz drückt, und jeder Schritt fällt ihm schwer. Die Sonne scheint heiß vom Himmel. Am Wegesrand stehen viele Menschen. Manche schauen traurig. Manche schauen neugierig. Andere schauen weg. Warum schauen Menschen manchmal weg, wenn jemand Hilfe braucht?

Jesus geht langsam weiter. Er atmet schwer. Sein Gesicht ist schmutzig von Staub und Schweiß. Er stolpert fast und bleibt kurz stehen. Unter den vielen Menschen steht eine Frau. Sie heißt Veronika. Sie schaut nicht weg. Sie sieht Jesus ganz genau an. Veronika merkt in ihrem Herzen: Jesus leidet. Er braucht Hilfe. Sie hat ein Tuch bei sich. Aber sie weiß: Es ist gefährlich, nach vorne zu gehen. Viele Leute könnten schimpfen. Veronika atmet tief ein.

Veronika drängt sich durch die Menge, leise, entschlossen, sie hält ein weißes Tuch in der Hand. Zaghaft sagt sie: "Lasst mich durch… bitte." Ihr Herz klopft schnell. Trotzdem macht sie einen Schritt nach vorne. Dann noch einen. Veronika steht jetzt vor Jesus. Sie sagt kein Wort. Sie sieht sein Gesicht – Blut, Staub, Schweiß. Ihr Herz zieht sich zusammen. Sie nimmt ein Tuch in die Hand.

Veronika denkt: "Ich kann das nicht ungeschehen machen. Aber ich kann jetzt da sein."

Jesus bleibt stehen. Seine Augen treffen die ihren. Jesus sagt ganz leise: "Du siehst mich."

Veronika denkt: "Ja. Und ich fürchte mich. Und doch gehe ich nicht fort. Ich sehe dein Leid. Und ich will es nicht übersehen." Ganz vorsichtig wischt sie ihm mit dem Tuch das Gesicht ab. "Herr… nimm dies. Wenigstens dein Gesicht soll einen Augenblick Ruhe finden."

Der Schweiß und der Staub verschwinden ein wenig. Jesus denkt: "Nicht das Tuch lindert meinen Schmerz, sondern ihr Herz. Was du tust, ist unendlich wertvoll."

Veronika sagt zu Jesus: "Es ist so wenig…"

Darauf antwortet Jesus: "Liebe ist nie wenig."

Sie senkt den Blick. Als sie das Tuch zurückzieht, hält sie den Atem an. Sie sieht den Abdruck von Jesu Gesicht im Tuch. Veronika denkt: "Dein Bild… es bleibt bei mir. Ich trage nun sein Gesicht mit mir, sein Bildnis."

Jesus blickt sie noch einmal an und sagt: "Wer einem Menschen hilft, der nimmt etwas Wertvolles für sich selbst mit."

Hier auf der Wand siehst du einige Gesichtsabdrücke, sie stammen von einigen der Besucherinnen und Besucher dieses Ostergartens. Sie zeigen etwas von dem Mitleiden und Mitfühlen.

Die Soldaten drängen Jesus weiter.

So kannst du nun den nächsten Raum betreten, gehe langsam hinein und lasse das Bild und die Ruhe auf dich wirken, bleibe am Anfang des Raumes stehen.

Die Station in Bildern

    Alle Fotos auf dieser Seite: Uwe Rieder